Die Aula der Beruflichen Oberschule Straubing war bis auf den allerletzten Platz besetzt, als Dr. Erös gegen 11.15 Uhr am 13. Juli 2009 die Bühne betrat, um seinen Vortrag über Afghanistan zu beginnen.
Dr. Erös ist ein ausgewiesener Experte, wenn es um die politische Lage und die Lebensbedingungen in Afghanistan geht. Seinen Erfahrungen und seinem Wissen hat keine Unterrichtsstunde etwas Vergleichbares entgegenzusetzen.
Der Mediziner im Dienstgrad eines Oberstarztes der Bundeswehr erfuhr früh, was menschliches Leid bedeutet. Auf zahlreichen UN-Missionen, die ihn in Länder der 3. Welt führten, machte er Bekanntschaft mit einer kaum vorstellbaren medizinischen Unterversorgung. Den anwesenden SchülerInnen machte er fühlbar deutlich, dass es viele Menschen auf der Erde gibt, die Einrichtungen wie Ärzte, Behandlungsmöglichkeiten, Medikamente und auch Sauberkeit nicht kennen, und deren Leben bereits durch Bagatellerkrankungen in Gefahr ist.
In Kalkutta lernte er, wenn man das überhaupt so bezeichnen kann, in einem Sterbehaus den Umgang mit menschlichen Extremsituationen, sprich Entscheidungen über Leben und Tod zu treffen. Mutter Teresa war dort, so Dr. Erös, seine Lehrerin.
Getroffen vom menschlichen Leid unter der Zivilbevölkerung, das die Sowjets in den 80er Jahren mit ihrem Einfall in Afghanistan verursachten, ließ Dr. Erös sich bei der Bundeswehr unbezahlt beurlauben, um mit der ganzen Familie nach Pakistan, genauer gesagt an die Grenze zu Afghanistan überzusiedeln. Auf lebensgefährlichen Missionen verließ er immer wieder monatelang seine Familie mit dem Ziel in das besetzte Afghanistan zu gehen, um dort den Leidenden medizinisch zu helfen. Die Geschichten, die Dr. Erös erzählt, sind persönliche Schicksale der Menschen in Afghanistan, denen er stellvertretend für viele andere ein Gesicht gibt. Die SchülerInnen lauschen bewegt seinen Worten, als er erzählt wie er in Höhlenkliniken (Tora Bora) Menschen z. T. unter unvorstellbaren Bedingungen behandelte.
Die SchülerInnen wurden während seines Vortrags nicht geschont. Bilder von Verstümmelungen bei Kindern durch sowjetische Spielzeugminen bleiben im Kopf und regen zum Nachdenken an. Im Jahr 2002 schied Dr. Erös vorzeitig aus der Bundeswehr in den Ruhestand aus. Seit 1998 betreibt Dr. Erös zusammen mit seiner ganzen Familie die Kinderhilfe Afghanistan.