Sozialwesen


Unterricht auf dem Reiterhof
Am 7. April 2010 (in den Osterferien) traf sich ein Teil der Klasse 12bS mit unserer Pädagogik/Psychologie-Lehrerin Frau Janackovic in Bogen auf einem Reiterhof. Dort versuchten wir, das Verhalten von Pferden zu verändern und dabei unser theoretisches Wissen über operantes und klassisches Konditionieren aus den vergangenen zwei Schuljahren einzubringen und dieses praktisch anzuwenden.
In diesem Schuljahr haben wir außerdem durch ein Fachreferat einer unserer Mitschülerinnen erfahren, dass Pferde auch häufig für therapeutische Zwecke verwendet werden. Die Bereiche der Therapie mit Pferden sind unterteilt in Hippotherapie, Heilpädagogisches Voltigieren und Reiten, Pferdesport für Menschen mit Behinderung und das Therapeutische Reiten. Diese sind sowohl für Kinder und Jugendliche, als auch für Erwachsene geeignet. Auch in diesem Zusammenhang stellten wir fest, dass die erlernten Theorien der Pädagogik und Psychologie hier ihren Nutzen finden. Anhand einiger Beispiele aus der Praxis wurde uns ein ganz neues Bild von Pferden vermittelt, die man ansonsten eigentlich nur als "Freizeitbeschäftigung" kennt.
Dort haben wir uns anschließend in Einzel– bzw. Gruppenarbeit den theoretischen Ablauf einer Verhaltensänderung überlegt. Dazu bekamen wir verschiedene Aufgaben gestellt wie: „Wie können wir den Ponys beibringen, mindestens einen Vorderfuß auf einen Holzblock zu stellen?“ – „Wie gewöhnt man ein Pferd an einen Volksfestauszug?“ –„Wie nimmt man einem Pferd die Angst vor Plastiktüten“ oder „Wie bringt man dem Pony bei, dass es nicht mehr nach Plastiktüten schnappen soll?“ Durch unser bisheriges Wissen über operantes und klassisches Konditionieren und Hilfestellungen von Fr. Janackovic konnten wir solche Aufgaben leicht lösen.
Durch unser bisheriges Wissen über operantes und klassisches Konditionieren und Hilfestellungen von Fr. Janackovic konnten wir solche Aufgaben leicht lösen.
Das klassische Konditionieren ist die von Iwan Pawlow begründete behavioristische Lerntheorie, die besagt, dass einem natürlichen, meist angeborenen Reflex durch Lernen ein neuer bedingter Reflex hinzugefügt werden kann. Die Annahmen und Techniken des klassischen Konditionierens werden auch angewendet, um Ängste zu behandeln. Solche Techniken sind die Gegenkonditionierung, die systematische Desensibilisierung und das „Flooding“ ( = Reizüberflutung).
Mit diesem Wissen sollte nun jede Gruppe von uns einem Pony beibringen, dass es nicht mehr nach einer Plastiktüte schnappt. Dies ist gar nicht so leicht, wie es sich anhört. Wir stellten fest, dass man ein Verhalten nicht auf fünf Minuten löschen bzw. ändern kann und somit der Prozess der Löschung sehr lange dauern kann.
Eigentlich wollten wir im Anschluss daran das Pferd anhand der systematischen Desensibilisierung an einen Volksfestauszug gewöhnen. Diese Aufgabe ist uns leider in der Praxis zeitlich nicht mehr gelungen. Theoretisch sammelten wir anfangs die angstauslösenden Faktoren, wie zum Beispiel Angst vor lauter Musik und Menschenmassen, und erstellten dann eine Angsthierarchie. Der erste Schritt wäre gewesen, dass wir mit dem Pferd erst alleine in der gewohnten Halle mit Musik ruhig arbeiten. Dann wird mit der Zeit die Musik lauter gedreht. Als nächsten Schritt in der „Hierarchie“ hätten andere Personen mit in die Halle gehen sollen. Außerdem sollte die Lautstärke, mit der sich die anderen Personen unterhalten, immer lauter werden.
Ganz wichtig ist es auch, dass man erst dann aufhört, wenn das Pferd ruhig ist, so verstärkt man es (operantes Konditionieren). Als nächster Schritt sollten die Personen klatschen und andere Geräusche und Bewegungen, die bei einem Volksfestauszug vorkommen, machen, damit das Pferd bei lautem Klatschen, schnellen Bewegungen oder bei Knallgeräuschen nicht erschrickt. Da auch viele Kinder an dem Volksfestauszug beteiligt sind oder ihn ansehen, sollte das Pferd auch langsam daran gewöhnt werden, dass fremde Leute auf das Pferd zukommen. Die nächste Stufe ist nun die ebenso langsame und geplante Heranführung an den Ort des Geschehens (Wiederholung der Schritte auf dem Reitplatz im Freien, dann erst in der Stadt). Es sollte während dieses Prozesses darauf geachtet werden, dass das Pferd sich wohlfühlt und keine Angst hat. Wenn das Pferd nun bei all diesen Schritten keine Angst mehr hat, kann das Pferd entspannt und ohne Stress an dem Volksfestauszug teilnehmen. Zwischen den einzelnen Stufen sollte man das Pferd außerdem loben, in dem man es streichelt, ihm Leckerli und Pausen gibt und mit ruhiger Stimme mit ihm redet.
Es kann einige Zeit dauern, bis man das gewünschte Ziel erreicht hat, denn bei diesem Prozess der systematischen Desensibilisierung steht das Wohlbefinden des Pferdes im Vordergrund!
Nun zum operanten Konditionieren. Durch operantes Konditionieren wird das ursprüngliche Verhalten durch eine positive oder negative Konsequenz verändert. Bei der positiven Verstärkung folgt auf ein Verhalten eine bestimmte Reaktion und die Auftretenswahrscheinlichkeit des Verhaltens steigt. Dies sahen wir, als Fr. Janackovic ein gutes Verhalten des Pferdes es mit Lob durch Streicheln, lange Pausen oder Leckerli belohnte. Dadurch wird das Pferd dieses Verhalten öfters zeigen, um eine Belohnung zu bekommen. Diese sollte aber auch individuell auf das Pferd ausgerichtet sein, denn nicht jedes Pferd empfindet z.B. Streicheln als einen positiven Verstärker.
Bei der negativen Verstärkung wird ein aversiver Reiz entzogen und die Auftretenswahrscheinlichkeit des Verhaltens steigt. Dies konnten wir beobachten, als Fr. Janackovic dem Pferd beibringen wollte, eine bisher unbekannte blaue Tonne mit dem Bauch umzuschmeißen. Anstatt zu warten, bis das Pferd zufällig die Tonne umstößt und dies dann verstärkt wird, wurde das Pferd mit der Gerte angetippt. Es merkte, wenn es in die richtige Richtung zur Tonne ging, dass der aversive Reiz weggenommen wurde. Deswegen ging das Pferd vermehrt in die richtige Richtung, um dem aversiven Reiz zu entgehen. Gleichzeitig erfolgten Pausen und Lob bei Schritten oder Gewichtsverlagerungen in die richtige Richtung, also positive Verstärkung. Gespannt fieberten wir mit, bis das Pferd tatsächlich die Tonne mit dem Bauch umwarf.
Und auch das operante Konditionieren wurde von uns in der Praxis angewendet: Durch das „Shaping“ wollten wir den Ponys beibringen, einen Fuß auf den Holzblock zu stellen. Wir hatten uns das so vorgestellt:
1. Schritt: Dem, Pony lehren, den Fuß anzuheben - durch negative Verstärkung (mit der Gerte auf den Fuß tippen und wenn das Pony den Vorderfuß anhebt damit aufhören)
- durch positive Verstärkung (Streicheleinheiten, Pausen gönnen und bei besonderer Anstrengung Leckerli geben)
2. Schritt: Dem Pony beibringen den Vorderfuß auf den Holzblock zu stellen durch negative Verstärkung (Fuß anheben lassen und gleichzeitig am Halfter Zug ausüben (= aversiver Reiz), locker lassen, wenn es den Fuß nach vorne setzt) durch positive Verstärkung (Streicheleinheiten, Pausen gönnen und bei besonderer Anstrengung Leckerli geben)
Und wie das dann in der Praxis aussah, könnt Ihr auf den Fotos sehen!
Verfasst von StRin Janackovic
Erstellt am 08.05.2010 von StR Kiefl
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