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„Ein Vietze braucht eine Vize“



Dass ein zugegeben sperriger Titel – Ministerialbeauftragter für die Berufliche Oberschule in Ostbayern und Leiter der Beruflichen Oberschule Straubing – nicht zwingend einen sperrigen Festakt zur Amtseinführung zur Folge haben muss, ist gestern unter Beweis gestellt worden. Im Historischen Rathaussaal wurden Klaus Vietze und seine Stellvertreterin Doris Luttner offiziell ins Amt eingeführt. Trotz sieben Rednern binnen knackiger 75 Minuten. Die Redner haben sogar den Partyservice für den anschließenden Stehempfang für die zahlreichen Gäste aus Schule, Kirche, Politik und Behörden sowie eine ganze Reihe Amtsvorgänger bei den Vorbereitungen überholt.

 

Klaus Vietze kommt aus der Biermetropole Kulmbach, Doris Luttner aus einer Winzerfamilie in Wörth. Deshalb setzen Studiendirektorin Andrea Buchsteiner-Bromme und Oberstudienrätin Sonja Padberg im Namen der Mitarbeiter auf die symbolische Harmonie von Hopfen und Traube. Sie begrüßten das Publikum.

 

Oberbürgermeister Markus Pannermayr ist sicher, dass die Schulaufsicht für die Beruflichen Oberschulen in Ostbayern und die Leitung von FOS und BOS in Straubing auch weiter in guten Händen sind. Klaus Vietzes Amt sei „in hohem Maße eine ambulante Tätigkeit“, ist er sich bewusst, sprich er wird zwangsläufig viel unterwegs sein. Vietze ist für 34 Fachoberschulen und 29 Berufsoberschulen in Ostbayern zuständig, flächenmäßig der größte MB-Bezirk Bayerns. Deshalb brauche „ein Vietze eine Vize“, die die Stellung halte, meinte Pannermayr schmunzelnd und sprach FOS/BOS ein erstklassiges Zeugnis aus. Die MB-Dienststelle, seit 20 Jahren in Straubing ansässig, sei bedeutsam für die Zentralität der Region.

 

Herausforderung für Bildungssystem: Flüchtlinge

 

In den letzten 15 Jahren hätten sich die Schülerzahlen von FOS/BOS Straubing fast verdoppelt, würdigte auch stellvertretende Landrätin Barbara Unger. Sie sprach die aktuelle Flüchtlingswelle an, die große Auswirkungen auf das Bildungssystem mit sich bringen werde, und appellierte, als Berufsschul-Zweckverband und Schulleitung an einem Strang zu ziehen. Nur dann könne man diese Herausforderung meistern.

 

Den „Makel der fränkischen Geburt“ des neuen Ministerialbeauftragten Klaus Vietze werde seine Stellvertreterin Doris Luttner, eine gebürtige Straubingerin, sicher wettmachen, flachste Ministerialrat Günter Liebl vom Kultusministerium. Er kennt Vietze sehr gut, denn sie teilten sich im Ministerium vier Jahre lang ein Büro. Doris Luttner werde ihren Kollegen sicher gerne ins niederbayerische Brauchtum einführen.

 

„Kenner und Kind des beruflichen Schulwesens“

 

Klaus Vietze sei „Kenner und Kind des beruflichen Schulwesens“. Er habe nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann selber die berufliche Oberschule besucht, ein Wirtschaftspädagogik-Studium draufgesattelt, als Lehrer und auf Ministerialebene im Kultusministerium gearbeitet, sei Leiter der FOS/BOS Bayreuth gewesen und jetzt in der Schulaufsicht tätig. Letzteres definierte Liebl nicht als Kontrolle, sondern Beratung, Unterstützung und Coaching. Dafür sei Glaubwürdigkeit nötig und die brächten Vietze wie Luttner aufgrund ihrer Werdegänge mit. Doris Luttner habe jahrelange Erfahrung als Schulleiterin wie Mitarbeiterin an einer MB-Dienststelle.

 

Beide kämen in spannenden Zeiten in ihre Ämter. Die beruflichen Oberschulen erhielten bis 2017 neue Lehrpläne, auch um dem steigenden Bedarf an Fremdsprachenkenntnissen und MINT-Fächern, sprich Naturwissenschaften gerecht zu werden. Es gebe neue Ausbildungsrichtungen, zum Beispiel Gesundheit und internationale Wirtschaft. Hinzu kämen steigende Schülerzahlen gerade in den Fachoberschulen und die große Herausforderung durch junge Asylbewerber und Flüchtlinge, von denen sicher ein Teil ein Hochschulstudium anstrebe. „Da werden FOS/BOS eine wesentliche Rolle spielen müssen.“ Liebl wünschte den beiden neuen Amtsträgern dazu eine glückliche Hand.

 

Mischung aus Kontinuität und Wandel

 

Neue Besen kehrten besser, heiße es im Volksmund, sagte Doris Luttner. Das müsse nicht zwingend der Fall sein, „ich erwarte, dass wir es bestmöglich machen“. Alle Mitarbeiter lud sie zur Inventur ein. Statt einer Revolution wünscht sie sich „eine Evolution mit einer gedeihlichen Mischung von Kontinuität und Wandel“. Sie fühlt sich freundlich aufgenommen und ist sicher, man werde der gemeinsamen Sache zum Erfolg verhelfen.

 

Klaus Vietze versicherte, er werde nicht mit knallender Peitsche durch die Schulen gehen und sich auch nicht in seinem Büro verkriechen. Den Schulen gesteht er Eigenverantwortung zu, allerdings innerhalb der Grenzen, die vom Staat gezogen werden müssten. Denn die Erziehung junger Menschen zu mündigen Bürgern, die Gewährleistung gleicher Bildungschancen und qualitativ hochwertig arbeitende Schulen seien nur durch ein Regulativ zu sichern, das rechtsstaatlichen Grundsätzen folge. Deshalb werde er die beruflichen Oberschulen Ostbayerns darin unterstützen, die Anforderungen an die Schüler oberstufengerecht und schulübergreifend gleich zu gestalten. Er werde die Schulart in überregionalen Gremien gut vertreten, auf externe Evaluation und Zielvereinbarungen setzen. Vietze schätzt, dass eine „erfreulich hohe Zahl“ an Schulen bereits nach einem Qualitätsmanagement-System arbeitet.

 

Auf respektvollen Umgang und Kooperation gesetzt.

 

Er selber setzt auf respektvollen Umgang miteinander und enge Zusammenarbeit mit den Kollegen an der Schule, den anderen Schulleitern wie den außerschulischen Partnern und Institutionen. Er wolle die Beteiligten in Entscheidungsfindungen einbeziehen, die anderen Argumente hören und zu hoher Akzeptanz kommen. Er scheue sich aber auch nicht vor der Verantwortung, Unliebsames durchzusetzen. Vietze hat sich vorgenommen, die hohen Maßstäbe, die sein Vorgänger Dr. Heyder gesetzt hat, fortzuführen und eigene Akzente zu setzen.

 

Dann stellte der Franke Vietze sympathisch seine ersten niederbayerischen Dialekt-Kenntnisse unter Beweis („Griaß eana, Pfiad eana“). Und Andreas Friedländer von der Kreismusikschule spielte nicht zufällig am Flügel die Titelmelodie aus dem Filmklassiker „Der Clou“. -mon-

 

Quelle: Straubinger Tagblatt vom 06.10.2015

 

Erstellt am 09.10.2015 von StR Griesbeck