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Food Diaries (Suchtprävention)



WIEVIEL WIEGST DU ?

 

Heidi de Blum beschreibt in ihrem Theaterstück den schleichenden Prozess in die Essstörung – und den Weg heraus

 

Sie war selbst betroffen und weiß nur zu gut, wie es sich anfühlt, in der Krankheit gefangen zu sein. Mit ihrem Theaterstück Food Diaries besuchen Heidi de Blum und ihr Team viele Schulen. Sie will durch die künstlerische Umsetzung vor allem das Innenleben der Erkrankten beleuchten. Vergangenen Donnerstag war sie zu Gast an der Beruflichen Oberschule in Straubing.

 

Schon in der ersten Szene wird der innere Zwiespalt, den die Erkrankten empfinden, sehr drastisch dargestellt: Es stehen sich die Lust auf Essen und das unmittelbar darauf folgende schlechte Gewissen gegenüber. Die Stückchen Schokolade, die halb gierig, halb genussvoll verzehrt wurden, spuckt die Schauspielerin sofort wieder aus und wischt sich mit einem Taschentuch den Mund aus. Mit dieser eindringlichen Darbietung, die verknüpft wird mit inneren Monologen, entsteht im Laufe des Stücks ein facettenreiches, beklemmendes Bild der Krankheit. Vor allem der schleichende Weg in die Essstörung wird genau beschrieben, denn es dauert lange, bis die Protagonistin sich eingesteht, dass sie ein Problem hat. Dabei wird auch thematisiert, wie Außenwelt und Medien dazu beitragen, dass sich bei den Betroffenen immer mehr der Wunsch nach der perfekten Figur und dem Ziel, ein geringeres Gewicht zu erreichen, einbrennt. Der Diätenwahn ist ebenfalls kein unerheblicher Risikofaktor. Am Ende bestimmen die Rechnungen um Kilos, Kalorien und die Gedanken, wie diese bekämpft werden können, den Alltag. Erdrückend wirkt der innere Konflikt der beiden Mädchen: Sie wissen ganz genau, dass sie ihrem Körper Schaden zufügen, tun jedoch trotzdem alles dafür, dem selbst ausgesprochenen Ideal zu folgen. Sie beherrschen es am Ende perfekt, sich selbst und die Umwelt hinters Licht zu führen.

 

Dieser eindringliche Blick in die Symptomatik der Krankheit lässt die Schüler der 11. Klassen der FOS/BOS Straubing nicht unberührt. In der anschließenden Diskussion mit Heidi de Blum wird von ihnen deshalb auch die Frage aufgegriffen, wie man aus einer Essstörung wieder herauskommt. Dieser sei manchmal länger als der Weg hinein, berichtet de Blum. „Nach außen hin wirken die Betroffenen oftmals ‚perfekt‘“, sagt sie. Damit meint sie, dass es sich bei den Betroffenen nicht selten um Personen handelt, die sehr hohe Erwartungen an sich stellen und sich stark unter Leistungsdruck setzen. „Man muss lange daran arbeiten, um sich wieder so annehmen zu können, wie man ist. Das hat viel mit Selbstliebe und Selbstakzeptanz zu tun. Auch stehen hinter der Krankheit andere, tiefergehende Probleme, die durch die Essstörung betäubt werden.“ Der Suchtpräventionsbeauftragte der Beruflichen Oberschule Daniel Teichert hat zur Diskussion auch die Sozialpädagogin Frau Kendlbacher vom Verein ANAD e.V., der Menschen mit Essstörungen betreut, eingeladen. Zusätzlich wurde sie von Annika Lausch begleitet, die an Bulimie litt und die Hilfe bei ANAD in Anspruch nahm. Beide bestätigen, dass es ohne Hilfe von professioneller Seite her sehr schwer ist, die Krankheit zu besiegen. Es gebe viele Möglichkeiten, sich bei dem Heilungsprozess begleiten zu lassen, so Kendlbacher. Beispielsweise kann man sich an Beratungsstellen wie den Verein ANAD wenden, der mittlerweile zusätzlich eine Online-Beratung als ersten Anlaufpunkt eingerichtet hat. Auch eine ambulante Therapie, spezielle psychosomatische Kliniken und betreute Wohngruppen helfen dabei.

 

Der Teufelskreis der Krankheit kann aber nur durch den Betroffenen selbst durchbrochen werden, da sind sich alle einig. Man müsse sich selbst irgendwann eingestehen, dass man sich belügt. De Blum spielte ihre Rolle beispielsweise so gut, dass sie in den ganzen 10 Jahren ihrer Essstörung kein einziges Mal von Freunden oder Familie darauf angesprochen wurde.

 

Wie soll dann das Umfeld reagieren? Helfen dann überhaupt Nachfragen von Freunden und Familie? Der Ausdruck der Sorge und das Wissen darum können sehr wichtig sein für die Erkrankten, bestätigen Kendlbacher und de Blum, auch wenn die Person zunächst gewöhnlich das Problem leugnet und jegliche Hilfe abblockt. Entscheidungen hingegen, die bei den Betroffenen auf Druck getroffen werden, führen weniger zum Ziel, einfühlsame und behutsam gewählte Worte, Verständnis und Ermutigung während des langen Genesungsprozesses hingegen schon.

 

 

Verfasst von StRin Julia Vogel, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit


Erstellt am 18.04.2016 von StR Griesbeck