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Ein eindringlicher Appell an junge Generation



Afghanistan-Experte Dr. Erös zu Besuch an der FOS/BOS

 

 

 

Rund 60 Millionen Menschen sind momentan auf der Flucht, davon sind 16 Millionen Kinder. Dr. Reinhard Erös, Oberstarzt der Bundeswehr a.D., hat seinen ganz eigenen Weg gefunden, die junge Generation aufzurütteln und Motivation zu wecken, sich politisch zu engagieren. Denn er macht in seinem Vortrag über die Situation in Afghanistan schnell und ohne Umschweife klar: „Beschäftigt euch mit der Flüchtlingsproblematik! Es ist eure Zukunft, die ihr mitgestaltet!“

 

Schon zum zweiten Mal war Erös der Einladung an die Berufliche Oberschule in Straubing gefolgt und gab den Schülern der 13. Jahrgangsstufe Einblick in die Lebenswirklichkeit in Afghanistan. Von der Politik, insbesondere von de Mazière, als sicheres Herkunftsland eingestuft, zeichnet er ein anderes Bild des kriegsgebeutelten Landes: Seit 1979 überziehen die religiösen, aber auch ideologisch geprägten nationalen und internationalen Konflikte das Land, das seit 30 Jahren nicht zur Ruhe kommt. In einer letzten Hochphase des Kalten Krieges war das Land damals der Spielball zwischen der UdSSR und den USA. Man rechnete damals mit einem schnellen Sieg gegen die Afghanen auf russischer Seite, doch alles kam ganz anders. Vielmehr war der Stellvertreterkrieg die Geburtsstunde des Siegeszuges der fundamentalislamistischen Taliban, was Mitte der 90er Jahre dann dazu führte, dass das Land im Terror versank.

 

Das war der Zeitpunkt, zu dem Erös mit seiner Familie beschloss, den Menschen zu helfen. Ihn und seine Frau machten das Leid der vom Krieg isolierten Menschen und die hohe Kindersterblichkeit von 50 Prozent nicht nur betroffen, sondern sie nahmen es zum Anlass, eine Organisation zusammen mit ehemaligen Studienfreunden zu gründen. Ein wagemutiges Unterfangen, denn damals gab es keine ausländische Hilfe, die sich nach Afghanistan hineintraute. Die Geburtsstunde seiner Kinderhilfsorganisation war sozusagen aus der Not heraus geboren mit dem Ziel, den 1,6 Millionen Toten und 1,8 Millionen Verstümmelten auf unbürokratischem Weg direkt zu helfen. So gründete er eine Schule in Pakistan mit eigenem Curriculum und Unterricht, in der junge Männer in einem Crashkurs die wichtigsten Grundlagen und Techniken erlernen konnten, um Kriegsverletzungen wie beispielsweise Fußamputationen durchführen zu können. Aber die Ärzte reichten bei weitem nicht aus und Erös erkannte schnell: „Ich muss da selbst rein nach Afghanistan.“ Vor Ort, also in den Krisengebieten im Südosten des Landes, baute er Krankenstationen auf, damit die Verletzten nicht mehr übers Gebirge gebracht werden mussten. Ohne die großzügigen Spenden hätte das nie realisiert werden können, betont er. Auch versucht er den Schülern zu verdeutlichen, dass sie sich die Krankenhäuser nicht wie normale Hospitäler nach europäischem Standard vorzustellen hatten, sondern vielmehr als behelfsmäßige Krankenstationen in versteckten Höhlen. Alles andere sei ja zerbombt gewesen und man musste im Verborgenen arbeiten zum Schutz vor dem Terror. Dass er ein Mann der Tat ist, daran lässt er keinen Zweifel: „Es gibt Situationen, in denen du schnell handeln musst, ohne lange zu zögern!“ Das tat er auch und konnte so binnen kurzer Zeit ein sich auf 700 Kilometer erstreckendes Netz solcher Höhlenkliniken errichten. Diese Zivilcourage beeindruckt, zumal ihn damals auch seine Frau mitsamt der vier Kinder begleiteten. Die wurden kurzerhand in einer der Schulen, die Erös mit seiner Organisation gründete, beschult. Mittlerweile sind sie erwachsen und treten in die Fußstapfen des Vaters. Alle engagieren sich mehr oder weniger im Flüchtlingsbereich. Auch die Kinderhilfe wuchs und wuchs. 2006 wurde die „Trutz-Erös-Stiftung“ gegründet als gemeinnützige Stiftung des bürgerlichen Rechts. Seitdem wurden zahlreiche Projekte ausschließlich durch private Spenden und ohne jegliche öffentliche Gelder finanziert wie beispielsweise eine Mutter-Kind-Klinik, zahlreiche Ausbildungszentren, Schulen und Ausbildungswerkstätten. Schon alleine die Zahl der erfolgreich realisierten Projekte macht deutlich, was der unbedingte Wille, Menschen zu helfen, schaffen kann. Kein Wunder also, dass er für sein unermüdliches Engagement auch viele Auszeichnungen, unter anderem das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse und den bayerischen Verdienstorden, erhielt.

 

Umso befremdlicher erscheint dem Afghanistan-Experten dagegen die Aussage der Politik, keine afghanischen Flüchtlinge mehr in Deutschland zu dulden, denn im Vergleich zur damaligen Situation habe sich seiner Meinung nach kaum etwas geändert. Es floss zwar viel Geld in das Land, aber das wurde zu 95 Prozent für Militär ausgegeben, nur zu fünf Prozent für Entwicklungshilfe. „Ob den Afghanen die gebauten Autobahnen etwas nützen außer den Panzern, ist fraglich. Nur drei Prozent besitzen ein Auto.“ Daher will er mit seinen vielen Vorträgen an Schulen auch bei der jungen Generation ansetzen. Er bittet nicht lange um Gehör, er verschafft es sich und fordert die Schüler auf: „Ihr müsst euch dafür interessieren, denn die politischen Entscheidungen, die getroffen werden, sind für euch relevant! Sie werden nicht vom lieben Gott getroffen, sondern vom Parlament. Und das wählt ihr.“

 

Verfasst von StRin Julia Vogel, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit


Erstellt am 23.01.2017 von StR Griesbeck