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Der lange Weg zur Freiheit



Autor Matthias Lisse weckt an der Beruflichen Oberschule Straubing die Erinnerung an den Mauerfall vor 30 Jahren.

 

An einem ganz besonderen und authentischen Geschichtserleben konnten die Schülerinnen und Schüler der Beruflichen Oberschule in Straubing teilhaben: Anlässlich des 30jährigen Jubiläums des Mauerfalls, das mit dem Erinnerungs-Tag des 9. November naht, bot Autor Matthias Lisse aus Saldenburg eindrucksvolle und bewegende Momentaufnahmen aus seinem früheren Leben in der DDR, die er in seinem neuen Roman „Die geteilten Jahre“ niedergeschrieben hat. Den Schülerinnen und Schülern in Straubing brachte er diese Eindrücke in einer Autorenlesung nahe.

 

Nichts würde auch nur den Anschein erwecken, wie beschwerlich die Jahre, Monate, Tage und Stunden waren, in denen Inga und Matthias Lisse, die heute in Unteröd in der niederbayerischen Gemeinde Saldenburg leben, für ihre Freiheit gekämpft haben. Doch der Weg zur Freiheit war lang, beschwerlich und abenteuerlich. Wenn Matthias Lisse heute von den Ereignissen erzählt, die nun dreißig Jahre zurückliegen, dann spürt man jedoch immer noch, wie groß damals die Sehnsucht nach der Freiheit und nach dem Recht auf Selbstbestimmung über das eigene Leben war, die seine Familie – wie so viele tausend andere – veranlasst hatte, einen Weg zu finden, aus der damaligen Deutschen Demokratischen Republik zu fliehen.

 

Um diese Geschichte, die Erlebnisse aus seinem Leben, aber besonders auch den hohen Stellenwert der Freiheit den jungen Menschen und vor allem den Schülerinnen und Schülern zu vermitteln, war Lisse zur Autorenlesung an die Beruflichen Oberschule in Straubing eingeladen. Anlass hierfür war nicht nur der erst vor wenigen Wochen im renommierten Droemer-Verlag neu erschienene Roman „Die geteilten Jahre“, der eben diese Erfahrungen autobiografisch verarbeitet, sondern auch das anstehende Jubiläum des Mauerfalls.

 

Stellvertretend für so viele andere damalige DDR-Bürger blickte Matthias Lisse vor den insgesamt 200 Schülerinnen und Schülern aus den Klassen der FOS und BOS auf seinen ganz eigenen, individuellen Weg zur Freiheit zurück, der für seine Familie so abenteuerlich, gefährlich, bewegt und zum Teil auch nicht fassbar war. Auch dreißig Jahre später waren dem Autor die Erlebnisse emotional ins Gesicht geschrieben, als er aus den einzelnen Kapiteln zur DDR-Geschichte, besonders aber zu den Fluchtversuchen und zur letztendlich erfolgreichen Episode aus dem Jahr 1989 vorlas.

 

Frisch eingetroffen von der Frankfurter Buchmesse, auf der nicht nur alle bereits erschienenen historischen Romane des Autors ausgestellt waren, sondern eben auch der neueste Roman zum Mauerfall, konnte der Organisator der Lesung, StR Dr. Stefan Hundsrucker, den Schriftsteller gemeinsam mit dem Stellvertreter des Schulleiters, StD Christian Steibl, und den Fachbetreuern der Fachschaft Deutsch, StDin Edith Fedeneder und OStR Gilbert Schwarz, begrüßen und ihn den Teilnehmern kurz vorstellen. Hier ließ Matthias Lisse bereits einige Details zum literarischen Betrieb, zum Verlagswesen und auch zu ganz persönlichen Hintergründen aus seinem Schriftstellerleben durchblicken.

 

Gleichzeitig verriet er auch ein kleines Geheimnis: „Den Roman ‚Die geteilten Jahre‘ wollte ich eigentlich nie schreiben“, so Lisse, den Ausschlag hätten das Drängen des Verlags und vor allem das Drängen seiner Frau gegeben, die einfach keine Ruhe mehr gegeben hätten. „Über derart persönliche Lebenserfahrungen zu schreiben, das ist nicht einfach, selbst nach dreißig Jahren nicht, aber letzten Endes bedeutet das zum einen auch eine ganz persönliche Aufarbeitung des Themas, zum anderen möchte ich den jungen Leuten einfach eine Botschaft mit auf ihren Lebensweg geben.“ Aufarbeiten, anhand von Fotos und Filmausschnitten dokumentieren und kommentieren konnte der Autor zunächst noch die ganz aktuellen Geschehnisse der letzten Wochen. Seine Frau und er waren von der Deutschen Botschaft in Prag zum „Fest der Freiheit“ eingeladen worden, um als Zeitzeugen von ihren Erlebnissen im Herbst 1989 zu erzählen. Bei dieser Gelegenheit konnten beide auch Gespräche mit dem damaligen Kanzleramtschef Seiters führen oder an einem Kamingespräch mit Bundesaußenminister Maas teilnehmen. Zu diesem illustren Kreis kamen der aktuell amtierende deutsche Botschafter in Prag, Historiker, Vertreter von Hilfsorganisationen, der Ministerpräsident Sachsens und viele mehr dazu.

 

Bewegend, spannend, aber auch ganz still und unter die Haut gehend zugleich wurde es im Vortragsraum, als Lisse den Schülerinnen und Schülern sowie den zahlreich teilnehmenden Lehrkräften die Erlebnisse und Ereignisse von den Tagen in Prag schilderte, die zum Moment deutscher Geschichte gewordene Rede Genschers auf dem Balkon der Prager Botschaft einband oder auch – sichtlich gerührt – das Schicksal seiner Frau und seiner Tochter aufgriff, jeweils in den Roman integriert und auf den realen Begebenheiten basierend.

 

Die damals mehreren Tausend Gestrandeten in der Deutschen Botschaft fanden ebenso Eingang in den Roman wie private Gespräche innerhalb der DDR-Führung, die als fiktiver Teil den Rahmen für die erzählte Zeit zwischen dem Mauerbau und dem Tag der Deutschen Einheit im Jahr 1990 bilden. Mit großem Interesse verfolgten auch die Schülerinnen und Schüler die Lesung. Zwischen den Lesepassagen waren ausreichend Raum und Zeit, um auf die vielen Fragen einzugehen, die sich um die Flucht, aber besonders um die damalige Politik und die Lebensverhältnisse in der DDR drehten. Kindheit, Jugend und beruflichen Werdegang band Lisse zu diesen Aspekten in die Antworten ein und zeichnete so ein aussagekräftiges, aber auch nachdenklich stimmendes Bild aus einer noch nicht allzu lange vergangenen Zeit. Gleichermaßen bot das Thema Anlass zur Diskussion aktueller politischer Entwicklungen, insbesondere zu den immer stärker feststellbaren politischen Randgruppen, die die Demokratie bedrohten.

 

„Das Wichtigste aber“, was ich euch Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg geben möchte“, so Matthias Lisse zum Schluss seiner Lesung, „ist aus der ganz persönlichen Erfahrung heraus die Erkenntnis, mit nur zwei Dingen Vieles im Leben bewegen zu können: mit Wissen und Willen.“ Mit diesem Motto endete eine gelungene Erinnerung an eine Momentaufnahme in der deutschen Geschichte, die eindringlicher nicht hätte sein können und gerade angesichts des nahenden Jubiläums Vieles in Erinnerung rief oder neu ins Bewusstsein rückte, was Demokratie, Verantwortung und Freiheit ausmacht.

 

Verfasst von Dr. Stefan Hundsrucker, StR


Erstellt am 06.11.2019 von OStR Griesbeck