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Das Mahnmal im Pulverturm erinnert nun auch an ermordete Behinderte

 

In der Gedenkstätte im Pulverturm ist das Mahnmal an die Ermordung behinderter Menschen durch die Nationalsozialisten erstmals öffentlich gezeigt worden. Das Triptychon aus drei Bronzetafeln trägt die Namen von 130 Straubingern, die der Obhut der Barmherzigen Brüder entrissen und umgebracht wurden. Das Triptychon wurde von Schülerinnen der FOS/ BOS gestaltet. Zur Festakt am Mittwochabend mit Gedenkreden von Oberbürgermeister Markus Pannermayr, dem Geschäftsführer der Barmherzigen Brüder, Hans Emmert, und FOS/BOS-Vertreter Markus Ramershoven kamen 100 Straubinger in den Pulverturm.

 

Miriam, Sandra, Lisa und Katharina heißen die vier Schülerinnen, die die Tafeln konzipiert und gestaltet haben. „Ich war nicht sicher“, sagt ihr Lehrer Max Messemer, „ob das gelingt. Aber als sie selber ‚wir wissen doch gar nichts über diese Zeit‘ gesagt haben, habe ich gewusst: Sie haben die Schwere dieser Aufgabe erkannt.“

 

„Euthanasie“ oder „Gnadentod“ nannten die Nationalsozialisten das, was sie mit behinderten Menschen machten: Sie brachten sie um, als „lebensunwertes Leben“. In der Nachkriegszeit wurden diese beschönigenden Begriffe durch den Ausdruck „Aktion T4“ ersetzt, nach der Berliner Tiergartenstraße 4, in der diese systematischen Morde organisiert worden waren. 360 Straubinger mit Behinderung wurden so getötet, im ganzen NS-Machtgebiet waren es fast 300000 Menschen.

 

Der Pulverturm ist der zentrale Gedenkort der Stadt für Opfer der Nationalsozialisten. Hier findet man die Namen der gefallenen Straubinger und der Straubinger, die in Konzentrationslagern getötet wurden, weil sie jüdischen Glaubens waren oder „falsche Überzeugungen“ hatten. Nun stehen hier auch die Namen derjenigen, die immer die besondere Fürsorge einer Gemeinschaft brauchen, die aber von den Vertretern der damaligen „Volksgemeinschaft“ vernichtet wurden.

 
„Wichtig, Opfern Würde zu geben“

„Es gibt nur noch wenige, die diese Zeit aus eigenem Erleben kennen“, sagt Pannermayr, „aber es gibt die, die bewusst täglich rote Linien überschreiten. Es gibt Menschen, die versuchen, das zu relativieren, sogar im Parlament.“ Wie viele Menschen insgesamt den Tötungsprogrammen zum Opfer fielen, sagt der Oberbürgermeister, werde vielleicht niemals beantwortet werden: „Aber uns war es wichtig, die Opfer sichtbar zu machen und ihnen ihre Würde zuzusprechen.“

 

Menschen mit Namen anzusprechen, nennt auch Hans Emmert, Geschäftsführer der Barmherzigen Brüder, „ein sehr wichtiges Zeichen“. Nach ihm verspricht Markus Ramershoven von der FOS/BOS, die Schule werde dieses Thema weiter in die junge Generation hineintragen. „Viele Schüler haben Interesse gezeigt“, sagt Ramershoven, wir werden uns weiter damit auseinandersetzen, es wird auch Thema in Seminararbeiten sein.“

 

Für die Bevölkerung wird es aber schwierig sein, vor den Tafeln zu stehen, die Namen zu lesen und zu überlegen, was die Menschen, die diese Namen trugen, gefühlt, gedacht oder gespürt haben. Straubings zentrale Gedenkstätte am Rande der Stadt ist nur zu wenigen Gelegenheiten wie dem Volkstrauertag oder bei Führungen zugänglich. Die Angst vor einem respektlosen Umgang ist ein Grund dafür.

 

(Bilder zum Vergrößern anklicken)

 
Info

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen der Stadt, der gemeinnützigen Behindertenhilfe der Barmherzigen Brüder und der FOS/BOS, das von den Straubinger Partnerschaften für Demokratie initiiert wurde und federführend begleitet wird. Gefördert wird das langfristige Projekt unter anderem durch das Bundesprogramm „Demokratie leben“.

 

Straubinger Tagblatt vom 18.10.2019


Erstellt am 23.10.2019 von OStR Griesbeck