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Im Gespräch mit Christoph Nußbaumeder



Schüler der FOS/BOS Straubing sprechen mit dem niederbayerischen Autor

 

Wenn es die Umstände erlauben, ist ein Blick hinter die Kulissen stets bereichernd. Das gilt fürs Theater, aber auch für die Literatur. Mit diesem Ziel luden die Klassen B12ST und B12W zusammen mit Seminarlehrerin Marion Kaiser und den beiden Referendarinnen Helena Amann und Julia Hausmann den aus der Nähe von Dingolfing stammenden Autor Christoph Nußbaumeder zum Autorengespräch ein.

 

Waren es seit den 1990er Jahren vorwiegend Theaterstücke, die er für Bühnen wie Belin, Bochum oder Köln schrieb, verbrachte er die letzten Jahre damit, an seinem Roman zu schreiben. In dessen Zentrum steht nach buddenbrookscher Manier der Aufstieg und Zerfall einer reichen Familie aus dem bayerischen Eisenstein, mit der auf schicksalhafte Weise auch der junge Georg Schatzschneider verwoben ist. Dem reichen Sägewerksbesitzer als eigener Sohn verkauft, lässt dieser eine Beziehung zu seiner leiblichen Tochter nicht zu. Und was von außen als eine unbedeutende Liaison erscheint, ist in Wirklichkeit innige Liebe. Die Wahrheit über Umstände, Hintergründe und Identitäten kann erst gelöst werden, als alles schon zu spät scheint. Die von Nußbaumeder gewählten Textauszüge  vermittelten den SchülerInnen Einblicke in düstere Geheimnisse, fatale Entscheidungen, aber auch in äußerst unterhaltsam beschriebene bayerische Feierlaune.

 

Im anschließenden Autorengespräch gefragt, in wieweit die eigene Heimat eine Rolle gespielt habe, räumt Nußbaumeder ein, dass ihm die Beschreibung spezifischer Eigenheiten oder der Mentalität der Bayerwaldbewohner leicht gefallen sei: „Die Prägung durch die Heimat ist immer da, das ist ein permanenter Strom an Beeinflussung.“ Die Themen, die der Roman behandelt, drehten sich am Ende des Tages aber immer um die gleichen existenziellen Fragen. Dass ein solches Werk aber nicht über Nacht entsteht, macht er den jungen Zuhörern dennoch deutlich: Der fast vierjährige Schaffensprozess umfasse nicht nur die Nettoschreibzeit, sondern auch unwahrscheinlich viel Recherche über geschichtliche Zusammenhänge, Zeitkolorit, aber auch prägende politische, wirtschaftliche oder soziologische Theorien. Im weiteren Gespräch lässt sich der Autor von den SchülerInnen wenig in die Karten schauen, denn seine entworfenen Charaktere will er nicht gegeneinander abwägen. So gebe es auch für ihn keine Figur, die er beim Schreiben besonders gemocht habe, sondern es habe nur der Anspruch gegolten, allen „einigermaßen gerecht zu werden“. Ohnehin will er den Lesern keine Botschaft mitgeben, sondern jeder solle das für sich selbst tun. Den SchülerInnen bot die Begegnung mit dem Autor die seltene Möglichkeit, mit dem umfangreichen Hintergrundwissen tiefer in Handlung, Erzähltechnik und Figurengestaltung einzusteigen und dabei zugleich mehr über die eigene unmittelbare Heimat zu erfahren.

 

Julia Vogel